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Schmierung: Fett, Öl oder trocken

Rund neun von zehn Wälzlagern laufen mit Fett. Was das Fett im Lager tut, wann Öl besser ist und wann ein Keramiklager ganz ohne auskommt.

Von Dieter Kijan 10 Minuten Lesezeit Stand 24.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 90 Prozent aller Wälzlager laufen mit Fett. Öl nimmt man, wenn es ohnehin in der Maschine ist, wenn Wärme weg muss oder wenn die Drehzahl sehr hoch ist.
  • Der Schmierfilm ist nur wenige Zehntel Mikrometer dick. Ob er trägt, hängt vor allem an Drehzahl und Viskosität. Die Last spielt kaum eine Rolle.
  • Ein Lager wird meist nur zu rund einem Drittel mit Fett gefüllt. Zu viel Fett wird gewalkt, und das Lager wird heiß.
  • Je 15 Grad mehr Temperatur halbiert sich die Fettgebrauchsdauer ungefähr. Bei senkrechter Welle rechnet man mit der halben Nachschmierfrist.
  • Im Hybridlager hält das Fett nach SKF und Schaeffler etwa doppelt so lange, je nach Einsatz auch länger. Ganz ohne Schmierstoff laufen vor allem Vollkeramiklager, und das nur langsam und mit wenig Last.

Warum das so ist, steht ausführlich darunter. 10 Minuten Lesezeit.

Was der Schmierstoff im Lager tut

Die Hauptaufgabe ist schnell gesagt: Der Schmierstoff soll verhindern, dass sich Kugel und Laufbahn berühren, oder die Berührung zumindest mildern. Nebenbei schützt er vor Rost, führt bei Öl Wärme ab und spült Abrieb aus dem Lager.

Dafür reicht erstaunlich wenig. Der Film zwischen Kugel und Laufbahn ist nur wenige Zehntel Mikrometer dick, unter günstigen Umständen ein paar Mikrometer. Ob er trägt, entscheiden vor allem zwei Dinge: die Drehzahl und die Viskosität, also wie zäh der Schmierstoff bei Betriebstemperatur ist. Die Last dagegen ändert den Film kaum.

Fachleute fassen das in einer Zahl zusammen, dem Viskositätsverhältnis κ, gesprochen Kappa. Es teilt die Viskosität, die der Schmierstoff im Betrieb hat, durch die Viskosität, die das Lager bei dieser Größe und Drehzahl braucht. Die Grenzen nach Schaeffler:

κZustandWas es bedeutet
bis 0,4MischreibungDie Rauheitsspitzen berühren sich häufig.
0,4 bis 1moderate MischreibungDie Lebensdauer sinkt.
ab 1trägt meistBei guter Sauberkeit wird etwa die rechnerische Lebensdauer erreicht.
ab 4VollschmierungDer Film trennt die Flächen vollständig.
Kontakt zwischen Kugel und Laufbahn, stark vergrößert. Zwischen den rauen Oberflächen liegt ein Schmierfilm. Bei einem Viskositätsverhältnis von 0,7 berühren sich einzelne Rauheitsspitzen, das ist moderate Mischreibung. Darunter die Skala von 0,1 bis 10 mit den Bereichen Mischreibung, moderate Mischreibung, trägt meist und Vollschmierung.Kontakt zwischen Kugel und Laufbahn, stark vergrößertKugel aus StahlLaufbahngelb: SchmierfilmDrehzahlViskosität0,414Misch-reibungmoderatträgt meistVoll-schmierungκ = 0,7
Kugel und Laufbahn, stark vergrößert. Gezeichnet ist κ = 0,7: Der Film trägt einen Teil der Last, aber einzelne Rauheitsspitzen berühren sich, rot markiert. Mehr Drehzahl oder ein zäheres Öl machen den Film dicker. Die Filmdicke ist zur Anschauung gezeichnet, nicht gerechnet.

Fett: woraus es besteht und welches

Fett ist eingedicktes Öl. Es besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Grundöl mit Zusätzen und zu 10 bis 20 Prozent aus einem Verdicker, meist einer Metallseife. Der Verdicker hält das Öl im Lager fest und gibt es langsam ab. Geschmiert wird im Kontakt also mit Öl, auch bei Fett.

Wie fest ein Fett ist, sagt die NLGI-Klasse. Für Wälzlager sind die Klassen 1 bis 3 üblich:

NLGI-KlasseKonsistenzTypischer Einsatz
0 bis 1sehr weich bis weichZentralschmieranlagen, Lager, die im Stillstand vibrieren
2geschmeidigallgemeine Anwendungen, gedichtete Lager
3mittelfesthöhere Temperaturen, gedichtete Lager

Die Verdicker unterscheiden sich stark: Lithium, Natrium und Calcium als Seifen, dazu seifenfreie Verdicker wie Polyharnstoff oder Fluorkunststoffe. Jedes Fett hat einen Temperaturbereich, in dem sich seine Lebensdauer vorhersagen lässt. Darüber altert es schnell. Darunter gibt es zu wenig Öl an den Kontakt ab, und bei großer Kälte läuft das Lager schwer an. SKF stellt das als Ampel dar.

Fette nicht mischen. Treffen zwei Fette mit verschiedenem Verdicker aufeinander, wird die Mischung meist weicher, und sie verträgt weniger Temperatur. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann nur Fette mit gleichem Grundöl und gleichem Verdicker. Fette auf Basis von PFPE, einem Spezialöl für Vakuum und hohe Temperaturen, lassen sich mit keinem Fett auf anderer Ölbasis mischen.

Wie viel Fett ins Lager gehört

Weniger, als die meisten denken. Viele Hersteller nennen für das Lager selbst rund ein Drittel des freien Raums: Klüber und SMB 25 bis 35 Prozent, NTN 30 bis 40 Prozent. Das Gehäuse daneben wird zu 30 bis 60 Prozent gefüllt. Je höher die Drehzahl, desto weniger Fett.

Beim Anlauf verteilt sich das Fett. Der größte Teil wird aus dem Kontakt verdrängt und legt sich seitlich ab. Aus diesem Vorrat gibt es nach und nach Öl ab. Nur ein kleiner Teil nimmt überhaupt am Schmieren teil.

Überfetten ist ein häufiger Fehler. Ist zu viel Fett im Lager, wird es dauernd durchgeknetet. Das erzeugt Wärme, das Fett wird weich und läuft aus. Bei gedichteten Lagern steigt die Temperatur besonders schnell.

Für das Nachschmieren eines offenen Lagers im Gehäuse gibt es eine Faustformel für die Menge in Gramm: 0,005 mal Außendurchmesser mal Breite, beides in Millimeter. Für ein 6205 mit 52 mm Außendurchmesser und 15 mm Breite sind das rund 4 Gramm. Das alte Fett muss dabei austreten können.

Wann nachgeschmiert wird

Fett altert. Es oxidiert, das Öl trennt sich vom Verdicker, und irgendwann schmiert es nicht mehr. Wie schnell das geht, hängt vor allem an der Temperatur. SKF und Klüber nennen dieselbe Faustregel: Je 15 Grad mehr halbiert sich die Fettgebrauchsdauer.

Fettgebrauchsdauer, Faustregel je 15 Grad

Ausgangs­temperatur 100 %
15 Grad wärmer 50 %
30 Grad wärmer 25 %
45 Grad wärmer 12,5 %

Faustregel von SKF und Klüber. NTN rechnet ähnlich und kürzt ab 80 °C je 10 Grad auf zwei Drittel. Für eine Auslegung gilt das Datenblatt des Fetts.

Wärme ist der größte Feind des Fetts. 45 Grad mehr, und das Fett hält nur noch ein Achtel so lange.

Dazu kommen Zuschläge. Bei senkrechter Welle halbiert man die Nachschmierfrist. Schwingungen, Schmutz und Wasser verkürzen sie weiter.

Gedichtete Lager sind für ihre Lebensdauer gefüllt und werden nicht nachgeschmiert. Meist begrenzt dann das Fett, wie lange das Lager hält, und nicht der Stahl. Auch im Regal altert das Fett: SKF rät, gedichtete Lager nicht länger als drei Jahre zu lagern, trocken und bei höchstens 75 Prozent Luftfeuchte bei 20 °C.

Öl: wann es besser ist

Öl ist die Wahl, wenn die Maschine ohnehin Öl hat, etwa im Getriebe. Oder wenn Wärme aus dem Lager abgeführt werden muss. Oder wenn die Drehzahl so hoch ist, dass Fett an seine Grenze kommt.

  • Ölbad. Der Ölstand reicht im Stillstand bis zur Mitte der untersten Kugel.
  • Umlaufschmierung. Eine Pumpe führt das Öl immer wieder durch das Lager. Es nimmt dabei Wärme mit und kann gefiltert werden.
  • Öl-Luft. Kleinste Ölmengen werden mit Druckluft genau dosiert ins Lager gebracht, etwa bei sehr schnellen Spindeln. Sie hat die frühere Ölnebelschmierung abgelöst.

Welche Viskosität das Öl braucht, ergibt sich aus Lagergröße, Drehzahl und Betriebstemperatur. Als Untergrenze nennt NTN für Kugellager 13 mm²/s bei Betriebstemperatur.

Ohne Schmierstoff: nur mit Vollkeramik

Ein Lager mit Ringen aus Wälzlagerstahl braucht immer einen Schmierstoff, schon wegen des Rostschutzes. Vollkeramiklager dagegen können trocken laufen. SMB, ein Hersteller von Keramiklagern, nennt das für Zirkonoxid und Siliziumnitrid ausdrücklich. Für Zirkonoxid schränkt SMB ein: nur bei niedriger Drehzahl. Vollkeramiklager aus Siliziumnitrid empfiehlt SMB ohnehin nur für niedrige bis mittlere Drehzahl und Last, weil sie spröder sind.

Eine feste Prozentzahl, wie viel Drehzahl trocken noch geht, haben wir in keiner Herstellerunterlage gefunden. Wir nennen deshalb auch keine. Trockenlauf gibt es nur mit Freigabe für den einzelnen Fall. Was er an Tragkraft und Drehzahl kostet, steht im Beitrag Wasser, Lauge und Reinigungschemie.

Dazwischen gibt es Sonderwege:

  • Vakuum und Reinraum. Bei niedriger Drehzahl ganz ohne Schmierstoff oder mit einem Trockenschmierstoff wie Molybdändisulfid. Für höhere Ansprüche gibt es Fette auf PFPE-Basis, die kaum ausdampfen.
  • Das Medium schmiert. Keramiklager laufen in Wasser und manchen Laugen und Säuren, in Kälteanlagen auch im Kältemittel. Der Film ist dann sehr dünn.
  • Hohe Temperatur. Über etwa 250 °C kommen Feststoffe wie Molybdändisulfid infrage. Dann setzt meist der Käfig die Grenze, siehe Käfigwerkstoffe.

Was sich beim Hybridlager ändert

Das Hybridlager wird geschmiert wie ein Stahllager. Zwei Dinge ändern sich trotzdem.

Das Fett hält länger. Schaeffler nennt die doppelte Fettgebrauchsdauer. SKF schreibt, das Fett könne je nach Einsatz mindestens doppelt so lange halten. In einzelnen Versuchen von SKF hielt es bis knapp siebenmal so lange. Als Gründe nennt SKF weniger Reibung und eine bessere Versorgung des Kontakts mit Schmierstoff. Das Lager bleibt kühler, und das Fett altert langsamer.

Kurze Mangelschmierung richtet weniger an. Der Film wird durch die Keramikkugel nicht dicker. Der Unterschied zeigt sich erst, wenn er reißt. Keramik und Stahl haften viel weniger aneinander. Deshalb schweißen die Rauheitsspitzen seltener an. SKF schreibt, ein Hybridlager komme mit Bedingungen zurecht, die für ein Stahllager schon Mangelschmierung wären. Dazu passt, dass Stillstandsmarkierungen seltener auftreten.

Einen festen Faktor für die Nachschmierfrist des Hybridlagers nennt keine Herstellerunterlage, die wir gefunden haben. Wir raten deshalb: die Frist des Stahllagers beibehalten und die längere Fettgebrauchsdauer als Reserve betrachten. Wer verlängern will, prüft das am Fett nach, das beim Nachschmieren herauskommt.

Wann Keramik das Schmierproblem nicht löst

  • Die Ringe sind aus Stahl. Beim Hybridlager rosten sie ohne Fett genauso wie beim Stahllager. Trocken laufen kann nur Vollkeramik.
  • Das Fett altert trotzdem. Die Regel mit den 15 Grad gilt auch im Hybridlager. Wer zu heiß fährt, verliert das Fett, egal wie gut die Kugel ist.
  • Der Käfig hat eine Grenze. Käfige aus Polyamid werden über etwa 120 °C weich.
  • Wasser im Fett. Eindringendes Wasser schadet jedem Fett. Dagegen hilft eine bessere Dichtung, kein anderer Kugelwerkstoff.

Typische Fehler

  1. Zu viel Fett. Ein Drittel reicht. Mehr macht das Lager warm.
  2. Gedichtete Lager nachschmieren. Sie sind für ihre Lebensdauer gefüllt und nicht zum Nachschmieren gebaut.
  3. Fette mischen. Vorher prüfen, ob Grundöl und Verdicker passen.
  4. Schmutz einschleppen. Die Stelle vor dem Fetten reinigen, das Fett sauber lagern.
  5. Zu lange gelagert. Gedichtete Lager nach drei Jahren im Regal nicht mehr einbauen, ohne sie zu prüfen.

Lebensmittel: H1

Wo ein Schmierstoff unbeabsichtigt mit Lebensmitteln in Berührung kommen kann, braucht es ein Fett mit der Registrierung H1. H2 heißt: kein Kontakt mit Lebensmitteln möglich. Die Registrierung führt die NSF. In den USA regelt 21 CFR 178.3570, welche Stoffe ein solcher Schmierstoff enthalten darf. Für viele davon, etwa Mineralöl, gilt eine Grenze von 10 Teilen pro Million im Lebensmittel. Was Reinigung und Nässe mit einem Lager in der Lebensmittelproduktion machen, steht im Beitrag Wasser, Lauge und Reinigungschemie.

Häufige Rückfragen

Muss ich ein Keramiklager überhaupt schmieren?

Ein Hybridlager ja, genau wie ein Stahllager. Die Ringe sind aus Stahl. Ein Vollkeramiklager kann bei niedriger Drehzahl und Last trocken laufen. Geschmiert hält es trotzdem länger und verträgt mehr. Wenn Schmierstoff erlaubt ist, schmieren Sie.

Wie viel Fett gehört in ein 6205?

Beim Befüllen rund ein Drittel des freien Raums im Lager. Ein offenes 6205 im Gehäuse bekommt zum Nachschmieren nach der Faustformel 0,005 mal 52 mal 15, also rund 4 Gramm. Das alte Fett muss dabei austreten können. Ein gedichtetes 6205 wird nicht nachgeschmiert. Die genaue Menge und die Frist hängen von Drehzahl und Temperatur ab.

Kann ich Kriechöl oder Silikonspray nehmen?

Dafür sind sie nicht gemacht. Nehmen Sie ein Wälzlagerfett oder -öl, das zu Temperatur und Drehzahl passt. Im Zweifel fragen Sie den Hersteller der Maschine oder uns.

Wie lange hält ein gedichtetes Lager im Regal?

SKF rät zu höchstens drei Jahren, weil das Fett auch ungenutzt altert. Offene Lager von SKF sind mit einem Konservierungsöl geschützt, das rund fünf Jahre hält. Beides gilt nur bei trockener, gleichmäßig temperierter Lagerung.

Woher die Angaben stammen

  • Anteil fettgeschmierter Lager, Aufgaben des Schmierstoffs, Filmdicke, Einfluss von Last, κ-Bereiche, Ölbad, Umlauf-  und Öl-Luft-Schmierung, Feststoffe über 250 °C: Schaeffler, TPI 176 „Schmierung von Wälzlagern“, und FAG WL 81 115/4. Rund 90 Prozent auch bei Klüber; SKF nannte im Jahr 2000 rund 80 Prozent.
  • Zusammensetzung von Fett und 15-Grad-Regel: SKF (Evolution, Schmierstoffkatalog). NLGI-Klassen, Füllgrad und Überfettung: Klüber, „Tipps und Tricks zur Schmierung von Wälzlagern“, sowie NTN, Katalog Kapitel 11, und SMB Bearings. Bezeichnung der Konsistenz: DIN 51818. Mischbarkeit, 2/3-Regel ab 80 °C und Mindestviskosität: NTN. PFPE: Klüber.
  • Nachschmiermenge 0,005 · D · B: ExxonMobil (Russo, 2016). Senkrechte Welle: SKF, Lager in Elektromotoren. Lebensdauerschmierung und Lagerzeit: SKF Bearing Maintenance Handbook.
  • Hybridlager: SKF (Broschüren 2003 und 2013, Evolution 1996, 2001 und 2022) und Schaeffler TPI 206. Trockenlauf und Vakuum: SMB Bearings. Grenze für Käfige aus Polyamid: SKF Evolution 1996.
  • Filmdicke und Drehzahl, Exponent 0,68: Formel nach Hamrock und Dowson, wiedergegeben in FAG WL 81 115/4, Seite 4. H1 und H2: NSF, 21 CFR 178.3570.

Die Faustregeln ersetzen nicht das Datenblatt des Fetts. Für eine Auslegung mit Nachschmierfrist gehört die Rechnung des Lager-  oder Fettherstellers darunter.

Dieter Kijan, Inhaber von Rotaris, im schwarzen Polo mit Rotaris-Logo

Geschrieben von

Dieter Kijan

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